| zurück | Warum ist Teeniearbeit überhaupt nötig? | ||||||
| Als wir in unserer Gemeinde einen Teenkreis gründen wollten, sprach mich ein Gemeindemitglied darauf an. Er konnte nicht verstehen, warum wir einen Teenkreis in unserer Gemeinde bräuchten, das hätte es doch noch nie gegeben. Ich versuchte ihm zu erklären, dass Teenies sich in einer besonderen Lage und Entwicklung befänden und es wichtig sei, dass wir auf ihre Bedürfnisse, Sorgen, Freuden und Probleme eingehen wollten. Dies schien den Mann, der selbst zwei Söhne im Alter von 13 und 15 Jahren hat, überhaupt nicht zu beeindrucken. Im Gegenteil, er fing an von seiner Teeniezeit zu sprechen und erzählte, wie schwer er es fand, mit 14 Jahren in den Jugendkreis zu kommen, in dem er mit Abstand der Jüngste war. Keiner kümmerte sich um ihn, er fühlte sich elend und schrecklich und ging nur hin, weil seine Eltern ihn zwangen. Aber, und so schloß er, das war eine gute Zeit, nach drei Jahren „harter Schule“ biss er sich durch und kam in die Gruppe hinein. Er war sichtlich stolz auf sein Durchhaltevermögen und berichtete weiter, dass viele Andere abgesprungen wären und heute nicht mehr dabei sind. Ich konnte ihm nur entgegnen, dass genau seine Erlebnisse der Grund wären, einen Teenkreis aufzubauen. Dieses Beispiel ist leider weder Fiktion noch Einzelfall, immer wieder stoßen wir in unseren Gemeinden auf Unverständnis, wenn es um Teenarbeit geht. Dabei ist gerade diese Altersstufe besonders wichtig. Der Mensch macht verschiedene Entwicklungsphasen durch, eine sehr wichtige ist das Teenageralter zwischen etwa 13- 16 Jahren. Der junge Mensch kommt in die Pubertät und macht eine körperliche, seelische und geistige Veränderung durch. Dies hat natürlich auch eine große Auswirkung auf sein geistliches Leben. Viele Teenies entwickeln ein großes Interesse an transzendenten Phänomenen. Dies ist eine Gefahr und zugleich eine Chance der Gemeinde, die Teenager in einer positiven Art und Weise zu prägen und sie in ihrer Entwicklung zu fördern. Es gibt fünf gute Gründe, eine spezielle Teenagerarbeit in der Gemeinde anzufangen, die jetzt kurz skizziert werden sollen: Der biblische Grund Jesus ist nie allen Menschen pauschal begegnet, sondern hat sich Einzelnen oder Gruppen immer persönlich angenommen. Er hat sich nach ihren Bedürfnissen und Nöten erkundigt und ist darauf eingegangen, dabei stand der Mensch immer im Vordergrund (Joh 3: Jesus und Nikodemus; Joh 4: Jesus und die Samariterin; Joh 5: Jesus und der Kranke am Teich Betesta; Joh 6: Jesus und die Speisung der 5000; Joh 8: Jesus und die Ehebrecherin; Joh 9: Jesus und der Blindgeborene; etc.). Das Ziel Jesu und unser Ziel heute ist es, das Reich Gottes zu bauen, dies schließt alle Menschen ein, Kinder, Teenager, Jugendliche, Erwachsene und Ältere. Der Missionsbefehl von Jesus in Mt 28 macht diesen Auftrag sehr eindrücklich, wenn Jesus seine Jünger losschickt und ihnen und uns sagt: „Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker (Evangelisation): Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes (Integration in die Gemeinde) und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe (Begleitung und Wachstum im Glauben/Gemeinde). Der psychologische Grund Der Teenager befindet sich in einer Phase des körperlichen und seelischen Umbruchs, er versucht sich langsam von seinem Elternhaus (Primärgruppe) zu lösen und sucht in einer Clique/Gruppe (Sekundärgruppe) Halt. Die Gruppe hilft ihm im Prozeß der Selbständigkeit und der Selbstfindung. Dort sind Menschen, die dieselben Probleme und Freuden haben, die einen verstehen, die einem nahe sind. Teenager suchen vor allem Schutzraum für die eigene Entfaltung und Anerkennung für das, was sie sind und tun. Ihr Selbstwertgefühl ist sehr schwankend und unausgeglichen, weshalb sie von den Erwachsenen oftmals als schwierig angesehen werden. Der persönlich-geistliche Grund Teenager brauchen Freiräume, um sich entfalten zu können. Dies gilt nicht nur für den körperlichen, sondern auch für den geistlichen Bereich. Es werden alle möglichen Fragen gestellt und alles Mögliche hinterfragt. Teenager versuchen Dinge nicht nur zu begreifen, sondern auch zu erleben und nachzuvollziehen. Dies kann kaum im Gottesdienst geschehen, sondern braucht einen extra Freiraum und extra Mitarbeiter. Gerade Teenager fühlen sich oftmal mißverstanden und ausgegrenzt. Sie brauchen einen Raum, in dem sie so sein können wie sie sind und Personen, denen sie vertrauen, damit sie die Fragen und Probleme loswerden, die sie wirklich empfinden. Gerade was geistliche Fragen anbelangt, sind Teenager sehr vorsichtig und empfindlich und brauchen einen besonderen Schutzraum. Entscheidungen für ein Leben mit Gott, die im Teenageralter getroffen werden, haben oftmals eine Auswirkung auf das gesamte Leben. Hier liegt eine großartige Möglichkeit statt, Teenager in positiver Art und Weise zu prägen. Dies zeigt aber zugleich die hohe Verantwortung, die die Mitarbeiter haben. Der pädagogische Grund In dieser Lebensphase brauchen sie deshalb eine besondere Art des Evangeliums. Es geht nicht um ein anderes Evangelium, sondern um die Art und Weise, wie sie es vermittelt bekommen. Teenager wollen das Wort Gottes nicht nur hören, sondern sie wollen es erleben, sie möchten wissen, ob diese Botschaft auch in ihrem und im Leben der Mitarbeiter der Wahrheit entspricht. Sie wollen Dinge konkret ausprobieren und wollen herausgefordert werden. Jesus hat seine Botschaft nicht immer nur stereotyp heruntergerasselt, sondern ist auf einzelne Personen und Situationen eingegangen. Dies gilt auch für uns heute und die Teeniearbeit. Der gemeindliche Grund Ein Ziel der Teeniearbeit ist es, die Teenies in die Gemeinde zu integrieren. Teeniearbeit ist ein Teil der Gemeindearbeit. Teenager gehören zur Gemeinde dazu und sie sollten denselben Stellenwert haben wie andere Personenkreise auch. Dazu muß von der Gemeinde auch die Bereitschaft da sein, Teenager anzunehmen, mit all ihrer Kreativität, all ihrem Übereifer und all ihrer Unruhe. Wenn die Gemeinde nicht bereit ist, sich auf Teenager einzulassen, sich ihnen zu stellen, sich mit ihnen zu befassen, sie anzunehmen und sie zu lieben und zu prägen, dann wird dies automatisch von anderen Gruppen, Vereinen oder Organisationen übernommen. Dessen sollte sich die Gemeinde bewußt sein. Lit-Tip: · Peter Müller, In der Mitte der Gemeinde. Kinder im Neuen Testament (Neukirchen: Neukirchner Verlag, 1992). · Johannes Blohm (Hg), Kinder herlich willkommen (München: Claudius Verlag, 1996). |
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