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| Ein Artikel zum Nach- Mit- Quer- Selberdenken! Es wurde in den letzten Jahren viel über „unsere“ Generation geschrieben und gemutmaßt, vieles war gut, vieles eher erstaunlich, zumindest für die, um die es eigentlich ging. Ich habe mich jedenfalls in vielen Artikel um die sogenannte Generation X nicht immer wiedergefunden. Ein Stichwort, das dabei oftmals strapaziert wurde und dies zu Recht, ist der Generationskonflikt. Viele Ältere verstehen die Jüngeren nicht mehr und umgekehrt, unterschiedliche Glaubensformen drohen ganze Gemeinden zu sprengen und viele Jugendliche haben Schwierigkeiten sich mit den Werten der traditionellen Kirchen und Gemeinden zu identifizieren. Die Ursachen sind vielschichtig und sollen hier zunächst in den Hintergrund treten. Was von Bedeutung sein soll, ist ein Dialog, ein Miteinander-Ringen um ein Verständnis, was die junge Generation an Christen überhaupt ist und/oder sein soll/darf/muss? Wo sehen wir Jungen unseren Auftrag Gottes, wo hat uns Gott seine Visionen geschenkt? Wo müssen wir dabei alte Wege verlassen, wo alte Wege erneuern? Kann/muss es dabei zu einer Zusammenarbeit mit den etablierten „Wegebauern“ geben? Dies sind keine einfachen Fragen, aber Fragen die mich/uns sehr bewegen, deshalb würden wir gerne ein „Dran-Forum“ (oder ähnliches) starten, um eine Diskussion anzuregen. Dieser Artikel soll den Anfang machen, zum Nach- Mit- Quer- Selberdenken, Sich-Einklinken in die Diskussion! Als Grundlage haben wir uns das „Generationenpärchen“ Paulus/Timotheus rausgesucht, von denen wir vielleicht einiges lernen können. Also, lass dich mitnehmen auf die Reise ins eigene Selbstverständnis. Erhalter- oder Gründergeneration? In den 50er und 60er Jahren, nach der großen Tristesse des 2. Weltkriegs, gab es in Deutschland einen großen wirtschaftlichen und vor allem geistlichen Aufbruch. Nach Jahren der Unterdrückung und Resignation schenkte Gott begabten Männern und Frauen eine Vision für sein Reich in Deutschland. Leute wie Anton Schulte, Otto Riecker, Sr. Basilea Schlink, Ernst Schrupp oder Heinrich Kemner gründeten oder halfen beim Gründen von neuen (Missions-)Werken, theologische Ausbildungstätten und Verbänden wie zum Beispiel: Neues Leben, Lebenszentrum Adelshofen, Geistliches Rüstzentrum Krelingen, Marienschwesternschaft, SMD (Studentenmission Deutschland), KbA (Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten) Ohne Sicherheiten und zum Teil ohne abgeschlossene theologische Ausbildung, aber mit einem vollem Herzen und einer klaren Vision, machten sich diese Männer und Frauen an ihre Aufgabe, Gottes Gedanken weiterzutragen und er schenkte große weitreichende Aufbrüche und Erweckungen. Diese reichen bis in die 70er Jahre hinein. Dann, allmählich gab es einen großen Generationswechsel. Die großen, alten Gründer traten ab und es wurden Erhalter und Verwalter eingesetzt, die die angefangene Arbeit im Sinne der Gründer fortführten und vertieften. Dies schien auch zu gelingen, bis in den 90er Jahren die große Krise eintrat. Plötzlich merkte man, dass der Gründergeist sich schon lange verabschiedet hatte und man vor lauter Vertiefung und Verwaltung die Lebendigkeit und das Lebensgefühl für die Menschen der 90er Jahre verloren hatte. Die theologische Ausbildungsstätten klagten über rapid nachlassende Schülerzahlen, Gemeinden rannten scharenweise die Jugendlichen davon, Missionswerke klagten über mangelnde Kandidaten und über Finanzprobleme. Wilde Diskussionen entstanden und was folgte, war eine lange Debatte über die Jugendbewegung innerhalb der Postmoderne, die ja so schlecht war und ist, was einen Grund für die heutigen Probleme darstellt. Und genau hier stehen wir jetzt. Die Lage hat sich etwas beruhigt, die Diskussionen verstummen allmählich, man geht zum Alltag über, ohne das die Krise vorbei ist, geschweige denn die Probleme gelöst. Was ist jetzt aber mit der „Jugend der 90er Jahre“? Was ist mit uns, mit mir? Wo sind die Leute von 25 bis 35 Jahren heute? Was für eine Generation sind wir wirklich? Sind wir eher Gründer oder Erhalter? Was wollen wir? Wollen wir den eingeschlagenen Weg der Väter weitergehen oder gibt uns Gott einen neuen Auftrag? Ich glaube, dass Gott eine neue Generation von Gründern sucht! Eine neue Erweckung in Deutschland starten möchte, junge Menschen aus ihrer Lethargie herausreißen und eine neue begeisterungsfähige Vision schenken möchte! Sind wir dazu bereit? Können wir uns aus dem warmen und bequemen Sessel erheben und das Unsichere und Unbekannte wagen? Das heißt nicht, dass alles, was in den letzten Jahren gelaufen ist falsch oder gar schlecht war, die Frage ist vielmehr, war es ausreichend? Ich glaube nein, denn wir drohen im geistlichen Mittelmaß zu versinken und schauen nur tatenlos zu. Nichts gegen große Events wie ProChrist, JesusHouse oder Christival, die sicherlich mehr als nur berechtigt oder erfolgreich waren, aber die Krankheit liegt meines Erachtens an den Wurzeln, an der Basis, in den Gemeinden, Werken und theologischen Ausbildungstätten. Als erste Anregung wollen wir auf Paulus und Timotheus schauen, auf ihre Beziehung und auf ihre Arbeit, einige wenige Punkte sollen herausgegriffen werden und uns heute motivieren, dass wir uns fragen, wie wir heute handeln, wir, die Paulusse und Timotheusse des 21. Jahrhunderts. An die Timotheusse today (frei nach 1.Tim 4, 11+12) Paulus gibt Timotheus einen Auftrag, er sagt ihm was er machen soll und unterstützt ihn. Paulus beruft Timotheus, nimmt ihn mit auf seine 2. Missionsreise (Apg 16,1), lässt ihn über seine Schultern schauen, ist sein Mentor, gibt ihm erst kleinere, dann größere Aufträge. Je nach Datierung zieht Timotheus etwa sechs Jahre mit Paulus, bevor er seine erste große Aufgabe in Ephesus bekommt. Dort muss er sich bewähren, sich gegen aufkommende Irrlehrer durchsetzen und trotz seines jungen Alters Verantwortung übernehmen. Aber auch dort lässt Paulus ihn nicht alleine, sondern unterstützt ihn durch seine Briefe. Er ermutigt Timotheus zu lehren und zu predigen. Und Timotheus tut dies. Er lässt sich auf Paulus ein, jetzt in Ephesus und schon von Anfang an. Er läßt sich sogar beschneiden, gibt alles auf und folgt ihm nach. In einer Zeit der Verfolgung und Lebensgefahr keine leichte Entscheidung. Jugendliche suchen nach Vorbildern und Vertrauenspersonen, nach Menschen, mit denen sie reden können und die ihnen auf ihrem Lebensweg helfen. Keine Zwangsseelsorge, sondern eine autonome und freiwillige Beziehung, deren Grundlage das gegenseitige Vertrauen ist. Timotheus ist bereit, etwas zu riskieren, Sicherheiten aufzugeben und konsequent für Gott einzustehen. Er folgt seinem Vorbild Paulus und seiner Berufung. Ø Weißt du, was deine Berufung ist? Was Gott mit dir vorhat? Ø Gibt es ein Vorbild, dem du folgst? Ø Wieviel bist du bereit, für Gott in deinem Leben zu riskieren? Vielleicht auf einiges zu verzichten? 11 Das sollst du allen gut einschärfen. 12 Niemand soll dich verachten, weil du jung bist. Sei allen Glaubenden ein Beispiel mit deinem Reden und Tun, deiner Liebe, deinem Glauben und deiner Reinheit. Wann darf man anfangen Verantwortung in der Gemeinde zu übernehmen? Wann anfangen zu predigen? Gibt es eine Altersbeschränkung für das Evangelium? Sicher nicht, natürlich wissen wir das alle und doch fällt es uns unwahrscheinlich schwer, Jüngere mit in die Verantwortung zu nehmen. Warum? Es herrscht oftmals ein großes Misstrauen zwischen Älteren und Jüngeren in der Gemeinde. Zwischen den Generationen gibt es in Deutschland Meinungsverschiedenheiten, wie man glaubt und was wirklich wichtig ist, sei es im persönlichen Glaubensleben oder in der Gottesdienstgestaltung in der Gemeinde. Es hat eine Werteverschiebung innerhalb der Gesellschaft gegeben und Jugendliche brauchen heute andere Werte, um in der Gesellschaft zu leben und überleben zu können. Dies wird auch in einer Umfrage deutlich, in der es um die Erwartungen an eine evangelikale theologische Ausbildungstätte geht. Die Schulleitung erwartet im Blick auf die Persönlichkeitprägung während des Studiums: Selbstdisziplin, Willensstärke und Pflichtbewusstsein, die Studierenden: persönliche Korrektur, Sensibilität für andere und Hilfe in zwischenmenschliche Beziehungen. (Vgl. T. & W. Faix, K. Müller, K. Schmidt, Theologische Ausbildung zu Beginn des 21. Jahrhunderts, Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1998) Hier wird deutlich, dass eine völlig neue Generation herangewachsen ist, die eine neue Art von Ausbildung braucht und eine eigene Art hat, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden. Die Diskrepanzen kann man aber nur im Dialog überwinden, nicht durch Rückzug oder Besserwisserei. Paulus stellt sich schützend vor Timotheus und ist sein Vorbild und Mentor, er bleibt im Gespräch mit ihm, aber er fordert auch etwas ein. Timotheus soll selbst Vorbild sein für seine Gemeinde. Er soll ein gutes Beispiel mit seinem ganzen Leben sein, mit seinem Reden und Tun, im Glauben und in der Reinheit. Das hören wir heute nicht sehr gerne. Wir jammern schnell, wenn wir nicht richtig gefördert oder nach Fehlern allein gelassen werden. Sicher zu Recht. Aber wir wollen keine Vorbilder sein. Wir wollen kaum Verantwortung übernehmen. Natürlich gilt das nie für alle jungen Christen, aber es ist doch ein Trend in unseren Jugendkreisen zu erkennen, dass viele Jugendliche Angst haben vor Verantwortung, Angst, als Vorbild zu versagen und Angst, Fehler zu machen. Warum ist das so? Wieso fällt es uns schwer, ein moralisch reines Leben zu führen? Warum können wir Gottes Liebe so schlecht in Wort und Tat umsetzen? Ich denke, dass es natürlich viele Gründe gibt, aber dass wir uns oftmals von einem gesellschaftlichen Individualismus und Hedonismus einlullen lassen, der uns immer wieder einflüstert: „Kommst du auch nicht zu kurz? Denk doch mal an dich! Das hast du dir verdient!“ Dabei kommen wir bestimmt nicht zu kurz, eher der Auftrag Gottes! Ø Welche Werte sind mir in meinem Leben wichtig? Ø Wo muss ich mein Leben ehrlich durchgehen und mich selbst und Gott fragen, ob mein Tun und Reden vorbildhaft sind? Ø Wo kann ich auf Ältere in der Gemeinde zugehen und das Gespräch suchen? Wir wollen eine Diskussion über und mit uns und unseren „Vätern“ über unsere geistliche Situation in Deutschland. Ende-Anfang: Ø schreib deinen eigenen Brief Ø Reaktionen erwünscht, eMail Adressen Ø evtl. dranForum, Treffen der Generationen Ø Kolumne von Lesern, Leitern und uns in den folgenden drans? dran als Plattform für die neuen Timotheusse und Paulusse Ein Brief von Detlef Kühlein, alias Timotheus today: Lieber Paulus today, dies ist mein erster Brief an dich. Ich finde es megacool, dass ich endlich mal die Möglichkeit habe, dir zu schreiben! Lange Zeit war das so nicht möglich, weil ich gar nicht wusste, wo du warst. Also, danke, dass du dir Zeit für mich nimmst! Ich hoffe sehr, dass es dir gutgeht bei all deinen geistlichen „Aktivitäten“! Was machst du eigentlich gerade genau? Ich weiß es schon nicht mehr gründest du gerade eine neue Gemeinde in Deutschland oder bist du mehr in einem Verband tätig so mit Sitzungen usw.? Oder bist du schon einer von den ganz Großen, die ein Missionswerk gegründet haben oder eine Bibelschule? WOW! Nein, wirklich, finde ich echt krass, so eine fette Firma im Reich Gottes. Weißt du was? Ich möchte irgendwann auch mal was richtig Großes für Gott gründen! Das heißt, eigentlich bin ich schon dabei. Habe letzten Monat eine Prayergroup (Gebetsgruppe) gegründet direkt an unserer Schule (ich gehe ja noch zur Schule, 11. Klasse, Gymnasium). Diese Prayergroup läuft total gut jede Woche treffen wir uns (10 Christen und ich) und beten für unsere Schule, Lehrer usw., dass sie Jesus finden! Wie findest du das? Jeder fängt mal klein an, oder? Wie war das denn bei dir? Ich meine, der Anfang? Manchmal mache ich mir so meine Gedanken, was aus mir mal werden könnte, und dann denke ich: wie mache ich das, dass aus mir etwas wird? Und dann denke ich: es gibt doch so viele coole Leute in Gottes Firma, die schon was geworden sind. Und dann denke ich: von denen möchte ich so gerne etwas lernen, die haben bestimmt viel zu erzählen! Ich würde so gerne wissen, wie ich klar erkennen kann, was Gott von mir will. Weißt du, Paulus, manchmal träume ich davon, ein ganz großer Prediger zu sein (wie Wesley, Graham oder Hybels). Leider gibt es von diesem Kaliber keinen in Deutschland (außer Luther). Soll ich dir was verraten? Ich bete manchmal zu Gott, dass durch mich eine richtige Erweckung oder so was in Deutschland losrollen kann ich weiß, das wird sowieso nichts, aber wäre das nicht obergenial? Stell dir mal vor: Millionen in Deutschland kommen zum Glauben!!! Wie findest du das? Ich bete und träume auf alle Fälle weiter! Wir müssen uns unbedingt mal kennenlernen, Paulus! Ich hätte da nämlich noch so ein paar persönliche Fragen: z.B. warum manche Pastoren so (verzeih meine direkte Art) schräg drauf sind? Ich bin da zum Teil echt enttäuscht! Unser Pastor zum Beispiel, der hat jahrelang hier bei uns in der Gemeinde gepredigt und alles gemacht, wirklich alles! Der wollte gar nicht, dass man ihm mal hilft, ich meine, so doof sind wir in der Gemeinde ja auch nicht. Ich habe ihm mal vorgeschlagen, dass ich ihm sonntags mal eine Predigt abnehmen könnte so schwer ist das nun auch wieder nicht. Aber er hat das voll abgelehnt! Er meint, da müsse man „erst mal studieren und einen Ruf von Gott haben“ undsoweiterundsofort. Jetzt hat er einen Burnout und steht kurz vor der Scheidung! Das tut mir echt leid, aber weißt du was? Was nutzt ihm jetzt das Studium und wo ist sein Ruf Gottes plötzlich hin? Paulus! Ich möchte nicht so enden, auf keinen Fall! Kannst du mir irgendwie helfen dabei? Ich weiß, ich bin nur ein kleiner 17jähriger, der noch so wenig von Jesus weiß, und von meiner Sorte gibt es bestimmt viele in Deutschland, aber es scheint niemanden auf dieser ganzen Welt zu geben, der diesen Zustand ändern will! Wo sind meine Vorbilder, wo sind die großen Gottesmänner und Gottesfrauen, die diese Welt auf den Kopf stellen wollten oder zumindestens Deutschland, oder Berlin, da wo ich lebe? Wo seid ihr wichtigen Pastoren und Leiter, Seelsorger und Theologieprofessoren? Wo bist du Paulus? Ich brauche dich. Und Jesus braucht dich auch! Dein Timotheus today |
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