zurück Jung & alt in der Gemeinde!
Stur, bockig, unverständlich, unmöglich angezogen und voller unbändiger Energie, so sehen viele Erwachsene Teenager. Man möchte im Gottesdienst geistlich auftanken, Gott in der Stille und in seiner geistlichen Tradition und Gewohnheit begegnen und dann versuchen ein paar Teens aus ihren elektronischen Instrumenten auch noch das Letzte rauszuholen.

Ist das zu verkraften?

Langweilig, spießig, durchschaubar, angepasst und unendlich langweilig, so sehen viele Teens Erwachsene. Man möchte in den Gottesdienst und Gott erleben, seine Power in einer powervollen Anbetung fühlen und spüren, radikal in der Predigt herausgefordert werden und dann singt der Kirchenchor einen vierstimmigen Choral und der Pfarrer benutzt einen Wortschatz, den man bis dahin nur aus den Besuchen im Altersheim kannte.

Ist das zu verkraften?

Der Generationskonflikt

Übertrieben? Vielleicht. Aber, nur ein bisschen! In unseren Gemeinden und Kirchen gibt es kaum ein größeres Problem als das des Generationskonflikts. Es herrscht oftmals ein großes Misstrauen zwischen Älteren und Jüngeren in der Gemeinde. Zwischen den Generationen gibt es viele Meinungsverschiedenheiten darüber, wie man glaubt und was wirklich wichtig ist (sowohl im persönlichen Glaubensleben als auch in der Gottesdienstgestaltung). Es hat eine Werteverschiebung innerhalb der Gesellschaft (der Wandel von der Moderne zur Postmoderne) gegeben und Jugendliche brauchen heute andere Werte, um in dieser Gesellschaft zu leben und überleben zu können. Während die ältere Generation Werte wie Selbstdisziplin, Willensstärke und Pflichtbewusstsein für wichtig und erstrebenswert hält, wünschen sich Teenager eher Werte wie persönliche Korrektur, Sensibilität für andere und Hilfe in zwischenmenschlichen Beziehungen. Hier wird deutlich, dass eine völlig neue Generation herangewachsen ist, die auch ihren Glauben anders ausleben will.

Missverständnisse & Ängste

Das Problem liegt jetzt in einem großen Misstrauen zwischen den Generationen, die Älteren haben Angst, dass ihre Glaubenstradition, ihre Lieder, ihre Formen oder ihr Platz von den Jüngeren eingenommen oder verdrängt wird. Die Jüngern fühlen sich dagegen nicht ernst genommen, haben Angst vor Ablehnung und finden ihren Platz in der Gemeinde nicht. Ein Grund, der diese Spannungen fördert ist, dass sich oftmals die Generationen nicht gut kennen und somit überhaupt nicht wissen, was die andere Seite wirklich denkt oder will. Aus Angst, seinen Platz zu verlieren oder nicht zu bekommen, kommt es zur Konfrontation, die meistens die Situation nicht verbessert, sondern die Fronten verhärtet.

Resignation & Flucht

Bei solchen Konfrontationen ziehen meist die Teenager den Kürzeren, haben sie doch noch „keinen reifen Glauben“ und vor allen Dingen keine Reputation innerhalb der Gemeinde. Die Konsequenz ist meist einfach: Entweder fristen sie ein zurechtgestutztes Mauerblümchendasein in ihrem Teenkreis, ohne Einfluss und ohne im Gottesdienst „vorzukommen“ oder sie schließen sich einer der zahlreichen Jugendkirchen an, die zur Zeit vor allem in Städten entstehen. Beide Möglichkeiten halte ich nicht für optimal, da sie eher Resignation und Flucht darstellen als Lösungen. Ich sage nicht, dass Jugendkirchen keine Berechtigung haben, aber ich denke, dass sie den Generationskonflikt nur um ein paar Jahre hinausschieben.

Dialog und persönliche Zurücknahme

Was also ist zu tun? Die Lösung ist gleichermaßen einfach wie schwierig: Vertrauen aufbauen und kennenlernen. Natürlich hört sich dies zu banal an, um wahr zu sein und doch liegt hier der Schlüssel für ein Miteinander von Jung und Alt. Aufgebauten Ängsten und Positionsgerangel innerhalb der Gemeinde kann man nur entgegentreten, wenn man Stück für Stück diesen Ängsten auf den Grund geht und gegenseitiges Vertauen aufbaut. Dies ist harte Arbeit. Jung und Alt müssen den Raum innerhalb der Gemeinde finden, sich gegenseitig kennenzulernen und dies geschieht nicht, wenn man im Gottesdienst nebeneinander sitzt und „Hallo“ und „Auf Wiedersehen“ sagt. Aktionen, die ein gegenseitiges Aufeinanderzugehen fördern, müssen von beiden Seiten angenommen werden. Mit folgenden Aktionen habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht:

Ø Spielenachmittag: Jung und Alt treffen sich zu gemeinsamen Spielen. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen und viel Zeit für Gespräche.

Ø Abend für alle Kreise: Alle Kreise der Gemeinde treffen sich einmal im Monat, um einander besser kennenzulernen. Es werden Spiele gemacht, es gibt etwas zu essen, einen geistlichen Input. Jedesmal bereitet sich ein anderer Kreis darauf vor.

Ø History-Maker: Teens aus der Gemeinde laden den Seniorenkreis ein und die Senioren erzählen aus ihrer Teeniezeit und wie es damals in der Gemeinde war! Sehr interessant!

Ø Väter/Söhne-Fußballtunier: Ehrgeizige und rotköpfige Väter wollen und können nicht verlieren!

Ø Musiksession: Gemeinsames musizieren von Klassik bis Rock!

Ø Gottesdienstgestaltung: Jung und Alt treffen sich, um über den Gottesdienst zu diskutieren, wie erleben sie einzelne Elemente, was wünschen sie sich etc.

Diese ganzen Aktionen funktionieren allerdings nur, wenn jeder einen Schritt aufeinander zu macht, sich jeder nicht ganz so wichtig nimmt und sich persönlich etwas zurückhält. Oftmals braucht es eine Initialzündung, ein „Pärchen“ aus Oma und Teen, das sich hinstellt und sagt: „Ja, wir mögen uns und wollen uns gemeinsam für Jesus einsetzen!“

Die große Chance

Wenn dann langsam Ängste abgebaut und Vertrauen aufgebaut wird, ist Gemeinde eine große Chance für ein Voneinander-Lernen und Aufeinander-Zugehen. Jede Generation hat ihre spezifischen Stärken (Erfahrung, Begeisterung für Neues, Kreativität. Beständigkeit, Geld, Bibelwissen, Mut, Energie, Geduld etc.), die sie mit hingeben kann in ein großes und reichhaltiges Ganzes. Dafür lohnt es sich zu kämpfen, das fand auch schon Paulus, der immer dafür eintrat, dass es in der Gemeinde nicht „reich und arm“, Mann und Frau“ und „jung und alt“ gibt. Dieser Einsatz lohnt sich auch heute noch.