| zurück | "Ich habe, also bin ich" (TeensMag März/April 2005) | |||||
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Welcome to the Fashionzone! Je angesagter heute eine Marke ist, desto teurer ist das gute Stück auch. Egal. Es muss sein. Heute ist die Stadt der Laufsteg. Die Schule, der Treffpunkt deiner Clique. Den ganzen Tag bewegst du dich auf diesem Laufsteg. Du kannst gar nicht anders. Und wie bei den Models gibt es Tops und Flops. Winner and Loser. Leute, die anziehen, was hip ist und andere, die nicht mithalten. Vielleicht auch nicht mithalten können, weil kein Geld da ist. Aber wen interessiert das schon. Jeder muss mitmachen, sonst bist du ganz schnell der Außenseiter! Und wer will das schon? Was verlierst du wirklich, wenn du bei dem Klamotten- und Markenwahn nicht mehr mitmachst? Die Anerkennung in der Klasse? Deine eigene Zufriedenheit über dich selber? Vielleicht sogar deine Freunde? Wer macht die Marke zum Trend? Aber der Reihe nach. Weißt du, dass du zu einer sehr begehrten Gattung von Menschen gehörst? Ja, noch niemals hatte eine Generation von Teens so viel Geld zur Verfügung wie heute! Und was machen mit dem Geld? Ausgeben! Wozu? Das sagt dir die Werbung! Trendsetter und Werbedesigner geben sich alle Mühe, um dir ihre Markenprodukte schmackhaft zu machen. Dort wird dir gezeigt, wie du schön, selbstbewusst und erfolgreich sein wirst! Ganz einfach, zieh dir die und die Klamotten an und du bist schon fast ein Star und noch viel wichtiger, du fühlst dich wie einer! Damit das auch klappt, holen sich die großen Firmen große Stars und zahlen ihnen dafür Unsummen von Geld und das nur, damit du ihre Turnschuhe kaufst! Hey, du bist echt wichtig! Je besser und prominenter geworben wird, desto trendiger ist die Marke auch! So bekommt eine Christina Aguilera geschätze 20 Mio. Euro von Coca Cola, ca. 3,8 Mio. von Virgin Mobile und ca. 3,5 Mio von Skechers. Nicht schlecht, die Frau ist gut im Geschäft! Aber auch Christinas Konkurrentin Britney Spears ist nicht deutlich schwächer dran, sie kassiert alleine für ihre Pepsi-Werbung ca. 25 Mio. Euro, ebensoviel wie Beyoncé Knowles. Apropos Beyoncé, sie steckt noch 4,5 Mio von Tommy Hilfinger ein, was ja auch nicht zu verachten ist. Bei den Männern fördert Superstar Robbie Williams den Markenkult und bekommt von Mercedes ca. 8,5 Mio. Euro für seine Smart-Werbung. R'n'B-Sänger Usher kassiert um die 7,5 Mio. Euro für seinen Kopf auf einer Mastercard-Kreditkarte. Dagegen sehen die geschätzten 4,5 Mio. Euro von Justin Timberlake für seinen McDonalds-Werbe-Song „I'm Lovin' It“ fast schon mau aus. Die deutschen Werbeträger können da bei weitem nicht mithalten (Fußballer wie Hinkel und Kuranyi für Nutella oder Schauspieler wie Til Schweiger und Alexandra Maria Lara für Peek & Cloppenburg und Boss). Welche Marke ist wann die Richtige? Dazu kommt, dass jede Szene ihre eigenen Marken hat. Neben den großen Marken (auch Labels genannt), gibt es immer mehr kleine Marken bei Klamotten, die sehr teuer sind und eine kleinere Auflage haben. Dadurch entsteht auch ein Markenkult und nicht jeder rennt damit rum. Aber Klamotten sind nicht das einzige, sondern heute gehören Musik, Sport und Klamotten zusammen. So kannst du nicht Skaten und ein paar billige H&M Klamotten tragen, sondern es sollte schon alles passend von K2, Reware oder Pash sein. Viele Musiker (Jeanette Biedermann oder Dieter Bohlen) und Sportler (Ronaldo oder Beckham) bringen deshalb auch ihre eigenen Markenklamotten raus. Willst du ein richtiger Fan sein, dann musst du dir auch die Klamotten kaufen. Dann bist du auf alle Fälle in deiner Szene in und das ist ganz entscheidend. Es gibt ja immer die zwei Möglichkeiten (neben dem Argument, dass Markenklamotten wirklich länger halten ), entweder du willst im Trend sein und kaufst dir deshalb die Klamotten, die die anderen auch haben oder du willst dich gegen den Mainstream stellen und brauchst deshalb edle Marken, um das auch deutlich zu zeigen! Was tragen die Leute in deiner Klasse? Auf was fahren die meisten ab? Was finden die „Coolen“ cool? Und wessen Eltern erfüllen ihren Kids jeden Wunsch? Das ist doch ehrlich ein Problem, oder? Da gibt es Leute in der Klasse, die ständig die neusten Markenklamotten bekommen, während deine Eltern dich immer nur zu C&A schicken! Da kommt neben aller Ungerechtigkeit auch Neid auf und du versuchst das irgendwie auszugleichen. Problem „Kohle“ Aber als Teeny kannst du dir trotz Taschengeld und Nebenjob nicht alle Markensachen leisten und schon gar nicht jedem Trend hinterher rennen. Nein, du musst dir genau überlegen, was du willst und was du dir wirklich kaufen kannst. Diese Entscheidungen sind gar nicht so einfach zu fällen und machen vielen Probleme. Das ist auch völlig in Ordnung und legitim. Aber du solltest nicht vergessen, dass alle Trends wieder vorbeigehen und durch neue und natürlich viel bessere abgelöst werden. Dass Markenklamotten zwar oftmals aus guter Qualität bestehen und den Leuten um mich herum zeigen können, wer ich nach außen hin bin, aber ich mich auch wunderbar dahinter verstecken kann. Marken können viel repräsentieren, sie können helfen, mich mit einer bestimmten Sache oder auch Szene zu identifizieren, sie können mir sogar mehr Selbstvertrauen und Sicherheit geben, aber sie machen weder glücklich noch richtig zufrieden und können schon gar keine Freundschaften schließen. Deshalb sollte man sich nicht von Markenklamotten und coolen Sprüchen blenden lassen, sondern sich Freunde und Freundinnen suchen, die einen so akzeptieren und mögen, wie man wirklich ist, mit Markenklamotten oder ohne! Das ist es, was wirklich zählt! Finde deinen Style Ein 15jähriges Mädchen aus meiner Gemeinde hat mir erzählt, dass sie in der Schule eine Außenseiterin war. In ihrer Klasse fand sie keinen Anschluss und nicht nur das, sie wurde von allen gemieden und oft sogar geärgert und gehänselt. Ein Zustand, der auf Dauer für sie nicht auszuhalten war und so setzte sie sich mit ihren Eltern zusammen und überlegte, wie sie aus dieser schwierigen Situation herauskommen könnte. Zusammen beschlossen sie dann, dass sie die Schule wechseln würde, um in einer neuen Klasse und einer anderen Umgebung noch einmal anzufangen. Dieser Anfang war für sie wirklich wichtig. Um bei den neuen Klassenkameraden auch einen guten Eindruck zu machen, wanderten die meisten ihrer alten Klamotten in den Rot-Kreuz-Sack und die Eltern investierten eine Menge Geld in neue Markenklamotten, mit denen sie ihre Tochter völlig neu einkleideten. Mit trendy Klamotten und neuem Selbstbewusstsein kam sie dann in ihre neue Klasse und fand nicht nur gut in die Klasse hinein, sondern fühlte sich sehr wohl in ihrer neuen Umgebung. Inwiefern das an den Markenklamotten gelegen hat, ist unklar; klar ist hingegen, dass sie durch ihre neuen Klamotten ein neues Selbstbewusstsein bekommen hat, das ihr den Einstieg in die neue Klasse erleichtert hat. Verkauf dich nicht! Ich glaube, dass die Story eben echt krass ist und zeigt, dass Klamotten wichtig sind. Klamotten sind nicht nur meine Kleider am Leib, sondern ein Spiegel meines eigenen Ich wieder, dass was ich fühle und bin. Das was sonst niemand sieht, mache ich durch meine Klamotten sichtbar! Deshalb ist es wichtig, dass du dich mit deinen Klamotten identifizierst, es müssen „deine“ Klamotten sein, nicht in erster Linie Markenklamotten und schon gar nicht die Klamotten, die deine Clique gut findet! Das wichtigste ist, dass du dich darin gut findest, du musst dich wohl fühlen und sonst niemand. Wenn das der Fall ist, dann wirst du genau das Selbstbewusstsein finden, was du eigentlich durch Markenklamotten suchst! Und es gibt total super Sachen, die genauso gut aussehen aber nur halb so teuer sind, weil sie von einer anderen Marke sind. Und das Gute ist: 1. no names sind wieder in. Ob Tarnklamotten, Baggy Pants, Cargos, Kapuzenpullis oder Boot-Cut-Hosen, es gibt laufend neue Trendsetter, die alle als no names gestartet sind und erst später von den großen Marken aufgekauft wurden. 2. Es gibt unwahrscheinlich viele unterschiedliche Stile und Trends. Jeder hat die Freiheit, einen bestimmten Stil zu wählen oder auch verschiedene Stile zu mixen. Wenn man einen Stil mit Überzeugung trägt, kann einem keiner was anhaben. Apropos Überzeugung Medien, Werbung und die Meinung der Schulkameraden zielen meistens darauf ab, dass nur der eine Persönlichkeit ist, der eine bestimmte Marke trägt. Je mehr du darauf hörst und dich davon beeinflussen lässt, desto mehr leidet deine eigene Überzeugung darunter. Denn die ist dann nicht mehr wichtig. Du brauchst sie nicht, weil du dich von anderen bevormunden lässt. Lass dich also nicht unnötig unter Druck setzen, mehr Geld auszugeben, als du eigentlich zur Verfügung hast. Wenn du es dir nicht leisten kannst und auch nicht wirklich willst und du es nur gekauft hättest, weil andere es von dir so wollten, dann sag mit Bestimmtheit „Nein“. Manchmal braucht man mehr Mut und Persönlichkeit „Nein“ zu sagen, als „Ja“! Bleib bei deinem Stil, sowohl bei der Musik, die du hörst als auch bei den Klamotten, die du trägst und zieh diesen Stil konsequent durch. Dann wirst du auf lange Sicht wesentlich mehr Erfolg bei den anderen haben, weil sie sehen, dass du Rückgrat hast. Und noch ein wichtiger Tipp zum Thema Anerkennung bei anderen: Such dir bewusst die Freunde, die zu dir und deinem Lebensstil passen und nicht die, denen du dich dauernd anpassen musst. Suche dir positive Vorbilder. Hast du schon bemerkt, dass die wirklich beliebten und erfolgreichen Leute an deiner Schule diejenigen sind, die keine Angst davor haben zu sagen, was sie mögen und was nicht? Du zählst und bist wichtig, das solltest du niemals vergessen! Markenklamotten sind wichtig. Aber wichtiger sind der oder die, die die Kleidung tragen! |
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