| zurück | Einblicke in die Entwicklungen von Teenagern | ||||||
| Die Pubertät Pubertät. Ein Wort, das so manchem Elternteil ein Schaudern über den Rücken fahren lässt. Diese Zeit, in der aus Kindern langsam Erwachsene werden, ist sowohl für die Kinder als auch für ihre Eltern schwierig. Über die Pubertät (kommt aus dem lateinischen und bedeutet Geschlechtsreife) wurde schon so viel geschrieben und geforscht, dass das Thema hier nur noch kurz angerissen werden soll. Wichtig ist, dass jedes Kind seine Pubertät auf seine ganz individuelle Weise erlebt. Trotzdem gibt es gewisse Umbrüche, die jedes Kind, wenn auch in unterschiedlicher Intensität, durchmachen muß. Geprägt wird diese Zeit des Erwachsenwerden von drei wichtigen Phasen: · Phase: Die Adoleszenz (Ablösung vom Elternhaus) Viele Eltern haben auch deshalb so große Schwierigkeiten mit dem Älterwerden ihrer Kinder, weil sie dadurch merken, dass sie älter werden. Was für die Teenies ein Abschied von ihrer Kindheit ist, bedeutet für viele Eltern ein Abschied vom Jungsein. Die Teenies suchen Abstand zu ihren Eltern, versuchen eigene Pläne und Entscheidungen durchzusetzen und versuchen durch ihre eigenen Ausdrucksformen (Kleidung, Sprache, Frisuren, etc.) sich sowohl von ihrem Kindsein als auch von ihren Eltern zu distanzieren. Diese Zeit ist für Kinder und Eltern eine konfliktträchtige und schwierige Zeit. Die Kinder wollen loslassen, die Eltern müssen loslassen und doch sind beide noch aneinander gebunden und brauchen einander. Dies sollte man nicht vergessen, bei allen Veränderungen und Schwierigkeiten ist die Nähe und Abgrenzung zu den Eltern ein wichtiger Schritt in die Selbständigkeit. · Phase: Die eigene Identität entwickeln Bis zur Pubertät wird das Kind maßgeblich von seinen Eltern geprägt und in das Leben eingeführt (primäre Sozialisation). Diese Lebensphase ist mit Beginn der Pubertät abgeschlossen. Teenager unterliegen ganz unterschiedlichen Einflüssen und Prägungen (sekundäre Sozialisation). In dieser Phase suchen Teenager nach sich selbst und versuchen sich oftmals mit aller Gewalt von den Erwachsenen abzugrenzen. Die wichtigsten Fragen heißen: „Wer bin ich?“ „Was will ich?“ „Was denken die anderen von mir?“ oder „Was ist mir wirklich wichtig?“ Aber wem kann man sich mit diesen Fragen anvertrauen? Während Mädchen gerade in dieser Zeit enge und allerbeste Freundinnen haben, mit denen sie über solche Fragen diskutieren, haben es Jungs sehr viel schwerer. Von ihnen wird „verlangt“, dass sie besonders „cool“ sind und nicht über ihre Schwächen und Probleme reden. Oftmals benutzen Teenager den Teenkreis als Plattform um sich selbst darzustellen. Sie sehen in erster Linie nur sich selbst, was in dieser entwicklungsphase aber völlig normal ist. Eine besonders wichtige Bedeutung hat die Clique in dieser Zeit. Sie ist Zufluchtsort, dort sind Gleichaltrige mit denen man sich über gemeinsame Leidenschaften (Musik, Stars, Sport) austauschen kann, ohne dass Erwachsene reinreden. · Phase: Selbstfindung Gegen Ende der Pubertät entsteht langsam ein Selbstwertgefühl bei den Teenagern. Die körperlichen Entwicklungen sind weitgehend beendet und akzeptiert, die Abgrenzung von den Eltern hat nicht nur unabhängiger gemacht, sondern auch sicherer, der erste Liebeskummer ist vorbei und Teenager beginnen langsam „normal“ mit dem anderen Geschlecht umzugehen. Die unausgeglichen und unberechenbaren Gefühlsausbrüche werden immer seltener und die Teenies werden geradezu besonnen: „Ihr Denken ist präziser und fundierter, gleichzeitig sind sie flexibler und differenzierter in ihrem Urteil über sich und andere.“ Die eigene Zukunftsplanung, der Wunsch nach festen Freundschaften und die Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft spielen eine immer größere Rolle. Die Teenager werden erwachsen. Es ist von großer Bedeutung, dass Teenager in dieser Zeit ein positives Selbstbild bekommen und eine emotionale Stabilität entwickeln, die sie in den nächsten Jahren tragen wird. Gefühlswelten & Entwicklungszeiten Teenager erleben durch ihre Entwicklungsphasen hindurch viele Situationen als sehr extrem. Besonders ihre Gefühlswelt wird oftmals stark durcheinander gebracht und in vielen Situationen fühlen sie sich unverstanden und reagieren sehr empfindlich. So kann es vorkommen, dass zwei extreme Gefühlsausbrüche innerhalb einer kurzen Zeit in völlig unterschiedliche Richtung gehen. Ein Teeniemädchen hat während einer kleinen Auseinandersetzung bei uns im Teenkreis zum Beispiel einen Jungen angebrüllt, dass sie ihn hasse, er das Allerletzte sei und sie nie wieder kommen würde, wenn er da sei. Eine Stunde später habe ich sie heimgefahren und sie hat mir erzählt, dass sie genau diesen Jungen so süß findet und dass sie gar nicht weiß, was sie machen soll. Diese Gefühlswirrungen sind auf dem Hintergrund der Entwicklung, die ein Teenager durchlebt, völlig normal und beim einen stärker und beim anderen schwächer ausgebildet. Zum besseren Verständnis der Teenager soll an dieser Stelle ein ganz kurzer Überblick über die Entwicklungsphase der Teenager (etwa 13-17 Jahre) gegeben werden, um auf ihre Situation hinzuweisen und darauf, dass sie besonders beachtet und behandelt werden müssen. · körperlich: Der gesamte Organismus macht eine große Veränderung durch. Der Teenager wächst bis zu 20 cm im Jahr und legt bis zu 6 kg Gewicht zu. Seine Geschlechtsorgane bilden sich aus und bei den Jungen beginnt der Stimmbruch. Dazu kommen oftmals für den Teenager unangenehme Begleiterscheinungen wie Pickel oder Schweißfüße. Der Körper bekommt eine besondere Rolle, er repräsentiert zum ersten Mal die aufkommende eigene Identität des Teenagers. Die Haare werden gestylt, besondere Klamotten müssen her etc. Diese Entwicklung ist nicht nur völlig normal, sondern auch sehr wichtig zur Selbstfindung. · geistig: Der Teenager findet sich in einer Phase der Selbstfindung, alles wird grundsätzlich kritisch hinterfragt. Die Ablösung vom Elternhaus beginnt und der Teenager muß sich in die Werte-Hierachie der Gesellschaft hineinfinden. Dazu kommt die Bewältigung der eigenen Sexualität. Das größte Problem stellt aber die Selbstfindung dar. Fragen wie: „Wer bin ich?“, „Wie möchte ich sein?“ oder „Für wen hält man mich?“ beschäftigen die Teenager. Sie suchen nach Orientierung und nach Leitbildern, die ihnen helfen damit fertig zu werden. · emotional: Durch all die körperlichen Veränderungen entsteht ein unsicheres Selbstbild, das häufig von Minderwertigkeitsgefühlen begleitet wird. Deshalb sind die Gefühle des Teenagers oftmals sehr schwankend, von „himmelhoch jauchzend“ bis zu „Tode betrübt“. „Ich bin der/die Größe“ bis zu „Keiner liebt mich“ in wenigen Minuten. Daher ist es wichtig, dass die Teenager das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie so angenommen werden wie sie sind, mit all ihren Schwächen und Stärken. · sozial: Teenager sind sehr personengebunden, der Gruppe/Clique wird ein besonders hoher Stellenwert zugemessen. Das Verhalten innerhalb der Gruppe, die Wertehierachie in der Gruppe und die Anpassung in der Gruppe besitzen einen hohen Stellenwert. Beliebtheit ist von großer Bedeutung. Teenager suchen sich Stars und Sternchen, die sie bewundern und denen sie ihre Zuneigung zeigen, die sie vor anderen schützen und zusammen mit wieder anderen für sie schwärmen. In diesem Alter sind sie besonders aufgeschlossen für geistliche Dinge und suchen Halt und Freunde. · geistlich: Im Alter zwischen 13 bis 16 Jahren gibt es eine Polarisierung. Auf der einen Seite ist es das Alter, in dem die meisten straffällig werden und auf der anderen Seite ist es das Alter, in dem die meisten eine Entscheidung für Jesus treffen. Teenager sind radikal, ihnen fehlt die Erfahrung. Was sie machen, machen sie mit ganzem Herzen. Deshalb ist die Entscheidung für Jesus in der Teeniezeit sehr wertvoll. Lit-Tip: · Dieter Baake, Die 13-18jährigen, 7. Augflage (Weinheim: Beltz Verlag, 1994). · Cornelia Nitsch, Brigitte Beil, Cornelia von Schelling, Pubertät? Kein Grund zur Panik! (München: Mosaik Verlag, 1995). |
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